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Wann habt Ihr zuletzt einen wirklich guten Thriller gesehen? Wie definiert man überhaupt einen guten Thriller? Ist es das Unvorhersehbare in einem Storyverlauf oder eher die Art und Weise, wie eine entscheidende Szene im Gesamtmachwerk platziert werden muss? Welche Konsequenzen hat eine Entscheidung? Wie wirkt sich diese im weiteren Verlauf auf Handlung und Charaktere aus? Keine leicht zu beantworteten Fragen, nicht wahr?


Im Leben geht nichts ohne Konsequenzen. Selbst kleinste Änderungen oder zeitliche Verschiebungen in eurem Alltag können sich nachhaltig auf euer gesamtes Leben auswirken. Denkt man längere Zeit darüber nach, riskiert man eher den Verstand zu verlieren, als dass es euch im Leben helfen könnte. Die meisten Entscheidungen in eurem Leben trefft ihr unterbewusst. Sie sind bestimmt geprägt von dem, was ihr für euch als wichtig und richtig befunden habt. Doch es wird auch in eurem Leben Situationen geben, in denen Ihr überfordert seid. Situationen, auf die euch nie jemand vorbereitet hat, weil sie eventuell nicht zum alltäglichen Leben gehören oder man sich mit solchen Extremsituationen aus reinem Selbstschutz nicht auseinandersetzen will. Solche Situationen sind es, die euch in „Heavy Rain“ gegenüberstehen werden. Die daraus resultierenden Entscheidungen haben Konsequenzen, deren Tragweite ihr nicht überblicken könnt.

Nun könnt Ihr sicherlich in etwa erahnen, mit welcher Sensibilität der Entwickler „Quantic Dream“ diesen cineastischen Interaktiv-Thriller geschrieben haben wird. Es ist leicht eine Geschichte in eine Richtung zu entwickeln, aber so gut wie unmöglich, alle Variablen des Lebens zu berücksichtigen. Das Leben ist hierfür einfach zu komplex.
Trotzdem hat Sony´s Entwicklerteam diese Hürde zu nehmen versucht und ohne zu viel zu verraten kann man sagen - es ist ihnen gelungen.

Ein guter Thriller schafft es den Zuschauer emotional an die Hauptfiguren in einer Story zu binden. Mit dieser Prämisse muss QD an die Arbeit gegangen sein. In einem Prolog wird der Spieler, also ihr, an die Personen herangeführt, die in dieser Story betroffen sind. Es herrscht erst einmal heile Welt im Haushalt des Architekten Ethan Mars. Er wacht an einem Samstagmorgen alleine in seinem Bett auf, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und es verspricht ein wirklich schöner Tag zu werden. Seine Frau und die beiden Kinder sind beim Einkaufen und haben ihn ausschlafen lassen.

In den ersten paar Minuten werdet ihr in aller Ruhe an die Bedienung / Steuerung eurer Figuren herangeführt. Um euch in diesem Fall die Person Ethan näher zu bringen, dürft ihr auch gleich mal mit ihm duschen gehen und falls notwendig sogar ein kleines Geschäft verrichten. Im Repertoire gäbe es da noch Zähneputzen, Rasieren und Anziehen. Alles alltäglich wiederholende Abläufe, die ein Leben normal erscheinen lassen. Die Steuerung von Ethan oder anderer Probanden basiert im Wesentlichen auf vier Teilen:

1. Fortbewegung mittels R2 Taste und linken Analogstick zum Richtungswechsel
2. Interaktion mit Gegenständen über rechten Analogstick oder SIXAXIS System
3. Gedanken / verbale Interaktion mit Personen mittels L2 und Analog Buttons
4. QuickTimeEvents, d.h. zeitkritische Tastenkombinationen ausführen

Die Art der Steuerung, insbesondere die Art der Fortbewegung, aber auch die Interaktionen mit der Umgebung, sind nicht so intuitiv wie ich es mir gewünscht habe, dennoch ist das Geschehen zu jeder Zeit beherrschbar. Besonders hervorzuheben wäre hier noch die verbale Interaktion mit Personen, aber auch das Abrufen der eigenen Gedanken / Wissen. Je nachdem wo wir uns befinden könnt ihr mit anderen Personen situationsbezogen kommunizieren. Zusätzlich erhaltet ihr aber auch gezielte Informationen, indem Ihr die eigenen Gedanken durchforstet. Kommt ihr in schwierigen Situationen einmal unter Druck, wird auch das Wahrnehmen und Auswählen dieser Möglichkeiten, beispielsweise durch ein zitterndes Schriftbild erschwert.

QD setzt die QuickTimeEvents auch nur an Schlüsselstellen der verschiedenen Szenen ein. Diese Stellen sind im Prinzip die Weichen des Schicksals, wenn man so will. Ist man als Spieler mit einer schnellen Reaktion zugange, verläuft das Spiel für einen selber meistens in die Richtung der Unversehrtheit, doch wie wir bereits gelernt haben, hat jede Medaille zwei Seiten, die den Fortschritt beeinflussen.

Wie viele QTE´s vom Entwickler in kontroverse Verläufe geführt hätten, kann ich leider nur mutmaßen, doch Sony hat uns verraten, dass es mehr als nur ein Story-Ende gibt.
Die heile Welt des Ethan Mars findet bald schon ein jähes Ende. Bereits die 2. Szene des Prologs (im Einkaufszentrum) endet in einer Katastrophe, die nicht zu verhindern ist. Mit dem Ergebnis dieser Schlüsselstelle werdet Ihr brutal in der 3. Szene konfrontiert. Jason, der ältere der beiden Söhne ist tot. Die Ehe des Architektenpaares ist gescheitert und die Lebensumstände haben sich nun dramatisch verändert. Ethan gibt sich die Schuld am Geschehen und wird dadurch depressiv. Er muss sich in psychiatrische Behandlung begeben. Aber auch an Shaun, dem übrig gebliebenen Bruder, ist diese Stimmung nicht spurlos vorbei gezogen. Der Junge wirkt lust- und antriebslos. Die Eltern teilen sich zwar das Sorgerecht, doch keiner von beiden scheint wirklich mitzubekommen, wie es dem verbliebenen Sohn geht. Die Trauer vernebelt die Sinne und der Blick für das Wesentliche im Leben bleibt auf der Strecke. So auch geschehen, als Shaun auf einmal verschwunden ist. Zurück blieb nur ein Origami-Tierchen. Ist Shaun nun das nächste Opfer des Origami-Killers?

QD schafft es, den Spieler mit in diese düstere trauerdurchflutete depressive Stimmung mitzunehmen. Man kann als Gamer förmlich spüren, wie Ethan Mars sich nun fühlen muss. Somit projiziert der Entwickler immer die Gefühlswelt der zu spielenden Charakteren auf den Spieler und vermittelt eine Identifikation mit den Personen.

Im Wesentlichen werdet ihr noch drei weitere Hauptcharaktere begleiten.

- Den Privat Detektiv Scott Shelby, einen an Asthma erkrankten gutherzigen Ex-Cop, der hauptsächlich die Eltern von Oirgami-Opfern besucht um weitere Hinweise zusammenzutragen.
- Den FBI Profiler Norman Jayden, der die hiesige Polizei mit seinem kriminalistischen Intellekt, aber auch technischen Möglichkeiten unterstützen soll, den Origami-Fall zuklären
- Die Journalistin Madison Page, die sich von Ihrer Schlaflosigkeit getrieben in die Origami Story einfindet und so unfreiwillig immer näher an den Täter heranrückt.

Jede dieser 4 Personen(incl. Ethan) wird zur Aufklärung des Falles etwas beitragen. Wie oder besser wie viel entscheidet ihr als Spieler, indem ihr mit den Personen die Story vorantreibt. Die Story wird in ca. 60 verschiedenen Sequenzen erzählt, von denen ihr nicht zwangsläufig jede zu sehen bekommt. Es gibt nämlich Schnittstellen, die sich direkt auf den Verlauf mit einem anderen Charakter auswirken werden. Alleine die Möglichkeit, dass jeder der Charaktere sterben kann, macht den Verlauf schon beliebig vielfältig. Dass dieses in einem Spiel natürlich auch Grenzen haben muss, ist klar. So wird man hier und da auch mit kontroversem Handeln mehr oder minder zum gleichen Storyverlauf kommen, doch sonst wäre ein solches Projekt auch nicht zu stemmen.

Technisch gesehen ist „Heavy Rain“ nahe an einem Jahrhundertmeisterwerk vorbeigeschrammt. Jede Szene ist sowohl akustisch als auch optisch brillant umgesetzt worden. Alleine das Motion Capturing mit über 70 Darstellern wird schon einen gewaltigen Batzen vom Budget verschlungen haben. Die Mimik der Charaktere ist fast schon als lebendig wahrzunehmen.

Trotzdem wirken die Figuren vor allem, wenn ihr sie selbst bewegt, noch etwas steif. Auch ist die Steuerung wegen plötzlich wechselnder Kameraperspektiven (Übersicht) manchmal etwas hakelig. Die Bewegung während der QTEs hingegen ist perfekt. Die düstere Stimmung in diesem cineastischen Machwerk ist ebenfalls immer auf den Punkt gebracht. Hat der Charakter gerade Panik, so könnt ihr dieses quasi riechen und spürt förmlich, wie die panische Angst gerade an eurem Körper hochkriecht.

„Heavy Rain“ ist nicht mehr sehr weit vom interaktiven Film mit SGI Render Grafik entfernt. Es ist erstaunlich, wie weit man mit aktueller Technik heute schon kommt.
Eines kann man aber jetzt schon gleichsetzen. Der Aufwand, mit dem die Audio-Effekte, die musikalische Untermalung, aber auch die Synchronisation betrieben wurden, ist bei einer Filmumsetzung auch nicht größer. Alleine die musikalische Untermalung ist meisterhaft.
Ich möchte die Story nicht spoilern, sondern lieber den interessierten Spieler einladen sich dieses Spiel gleich mehrmals zu geben. Auch wenn es nur ein Spiel ist, sollte man es öfter durchleben. Sicherlich wird nicht alles unterschiedlich dargestellt, aber man wird genügend Neues bei der nicht linearen Story finden.


Bewertung
Gameplay : 92% Sound : 97% Grafik : 93% Steuerung : 89% Multiplayer : %
Gesamt-Bewertung


Kommentar des Redakteurs
Auch wenn ich der Meinung bin, dass nicht jeder Hardcoregamer was mit diesem Genre anfangen kann (gerade Leute, die am laufenden Band Action haben wollen, werden vielleicht Probleme mit dem Titel haben), kann ich Heavy Rain doch uneingeschränkt empfehlen. Eine packende, sehr düstere Story, gespickt mit Adrenalin fördernden Szenen, die sehr hart an der mentalen Schmerzgrenze sind, wird hier erzählt. Oftmals ist nichts so wie es erst wirken mag. Heavy Rain ist anders .... aber genial.
Erstellt am : 17.02.2010      Autor : Oliver Hennig          © EVO-X.DE & XBLIVE.DE
GAME-FACTS
Publisher : SCEE
Entwickler : Quanticdream
Release : 28.02.2010

Genre : Adventure
Player : 1
Auflösung : 1080p
Sound : DD 5.1
Live Player : -
Downloads : ja
USK Einstufung

ab 16 Jahre
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ab 16 Jahre
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
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Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
Titel : Heavy Rain      Publisher : SCEE      Release : 28.02.2010
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