Activision Blizzard vs. Infinity Ward-Bosse: Jetzt wird zurückgeschossen!
Autor: CN am 05.03.2010
Der Streit zwischen den ehemaligen, weil inzwischen gefeuerten Vorständen von Infinity Ward und Activision Blizzard geht in eine neue Runde: Vince Zampella und Jason West haben nach Ihrer überraschenden Entlassung vor wenigen Tagen beim zuständigen Gericht von Los Angeles eine Klage eingereicht, und fordern nun eine Abfindung in Höhe von 36 Millionen Dollar.
Weiterhin erheben sie schwere Vorwürfe gegen den Publisher: Nach ihren Aussagen haben sie sich dagegen gewehrt, die Kontrolle über ihr eigenes Studio zu verlieren, um eine Ausschlachtung des Call of Duty-Franchises zu verhindern. Daraufhin habe Activision Blizzard gezielt versucht, sich der Führungsebene des Studios zu entledigen. Im Zuge interner Ermittlungen sollen die Beiden über sechs Stunden lang in einem fensterlosen Raum verhört, andere Mitarbeiter von Infinity Ward bei ähnlichen Befragungen bewusst zu Tränen gebracht worden sein.
Neben der angesprochenen, millionenschweren Abfindung bestehen West und Zampella weiterhin darauf, einerseits die kreative Kontrolle über das Modern Warfare-Franchise und außerdem ein Vetorecht bei allen zukünftigen Spielen der Call of Duty-Reihe zu behalten, welche zeitlich nach dem Vietnamkrieg angesiedelt sind.
Weitere Anschuldigungen gegen den Publishing-Riesen lauten wie folgt, wir danken Areagames für die Übersetzung:
„West und Zampella waren nicht so angetan davon wie Activision, so
schnell die Entwicklung von Modern Warfare 2 anzufangen. Ungeachtet der
Zusicherung durch Activision, dass West und Zampella bei der Führung von
Infinity Ward ihre komplette Freiheit als unabhängiges Studio behalten
würden, hatte Activision damit begonnen, Infinity Wards Möglichkeiten
zur Erschaffung von Qualitätsspielen zu unterwandern.“
„Activision hat Infinity Ward zum Beispiel dazu gezwungen, fortwährend
in einem halsbrecherischen Tempo mit aggressiven Zeitplänen Spiele zu
produzieren. West und Zampella waren besorgt darüber, dass Activision
Quantität über Qualität stellen würde.“
„Nach Activisions Beharren darauf, dass Infinity Ward weiterhin seinen
Fokus auf 'Call of Duty'-Sequels anstelle ganz neuer Franchises setzen
solle, hatten West und Zampella die Sorge, dass Activision das Risiko in
Kauf nehmen würde, die 'Infinity Ward'-Angestellten kreativ
auszubrennen. Eine kreative Arbeitsumgebung war schon immer einer der
Eckpfeiler von Infinity Wards Erfolg.“
„West und Zampella waren nicht motiviert dazu, ihre Arbeitsverhältnisse
zu verlängern, da sie ihre Spiele zwar mit zahlreichen Auszeichnungen
gefeiert sahen und sie Milliarden von Dollars für Activision
einspielten, die Mitarbeiter von Infinity Ward allerdings mit keinem
fairen Anteil daran beteiligt wurden.“
Activision Blizzard zeigt sich indes einerseits enttäuscht, andererseits aber unbeeindruckt von der Klage. Vielmehr kündigte man erst vor wenigen Tagen unter anderem ein Action-Adventure als Spin-Off der Serie an, welches von Sledgehammer Games entwickelt werden soll. Das offizielle Schreiben als Antwort auf die Klage liest sich folgendermaßen, hierbei danken wir Gamezone für die Übersetzung:
„Activision zeigt sich enttäuscht darüber, das Mr. Zampella und Mr. West ein entsprechendes Verfahren eingeleitet haben, wobei ihre Forderungen denkbar wertlos sind. Über acht Jahre lang haben Activisions Aktionäre und Investoren dafür gesorgt, dass die beiden Geschäftsgründer das nötige Kapital und finanzielle Ressourcen erhalten haben, um kreative Freiheit, persönlichen Wohlstand und professionellen Erfolg zu erreichen. Im Gegenzug hat Activision erwartet, dass diese erbrachten Leistungen honoriert werden, so wie im Falle aller anderen Führungsangestellten im Hause unserer Firma. Da die Firma enorme Geduld aufgebracht hat, haben wir auch in keiner Weise gegen unseren eigenen Vertrauenskodex verstoßen. Activision bleibt dem Call of Duty-Franchise, welches der Firma nach wie vor gehört, auch weiterhin treu und wird damit fortfahren aufregende und neue Spiele für die Millionen von Fans zu kreieren.“
Ob die Klage Aussicht auf Erfolg hat, steht derzeit natürlich noch in den Sternen. Klar ist jedoch, dass sich nicht nur die Gerichte noch einige Zeit mit der Geschichte beschäftigen dürften... Wir halten Euch auf dem Laufenden!